Lost Place: Zeche Zollverein im Ruhrgebiet

Dienstag, Januar 08, 2019 Chamy 1 Comments

Als wir vor circa einem Jahr Familie und Freunden mitgeteilt haben, dass wir von Wien ins Ruhrgebiet ziehen, herrschte große Ratlosigkeit. Ruhrgebiet? Was macht man dort? Ist dort nicht alles grau? Ganz im Gegenteil: es ist sehr grün und es ist immer was los. Und abgesehen von der tollen Lage –nahe zu Holland und Frankreich– hat es mir besonders die Industriekultur  angetan.


Das Ruhrgebiet: grau, schlechte Luft; Image bis heute geprägt von den 50er Jahren, dem Steinkohleabbau und der Stahlindustrie. Dabei ist diese Zeit schon lange vorbei, die zwei letzten aktiven Steinkohlebergwerke schließen noch 2018. Stattdessen ist tatsächlich die Natur ins Ruhrgebiet zurückgekehrt und die ehemaligen Zechen, Bergwerke und Industriegelände werden neuen Bestimmungen zugeführt.


Zu diesen Bergwerken zählt auch die Zeche Zollverein in Essen. Der Kohleabbau wurde bereits 1986 eingestellt, die Zeche, die auf Grund ihrer Symmetrie und Gebäudeanordnung als die schönste überhaupt gilt, wurde unter Denkmalschutz gestellt und 2001 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.


Heute beherbergt die Zeche Zollverein mehrere Museen, Eventlocations und das Besucherzentrum, wo man verschiedene Führungen durch das Gelände buchen kann. Will man alles sehen, muss man schon mehrere Tage auf der Zeche verbringen – vier Mal war ich dieses Jahr dort und hab noch immer nicht alles gesehen.


Für Erstbesucher der Zeche Zollverein empfehle ich die ca. 2-stündige Führung, die im Besucherzentrum beginnt. Dabei gewinnt man nicht nur einen Einblick in den harten Alltag der Kumpel, sondern man hat auch die Möglichkeit, schon einen großen Teil der Gebäude zu besichtigen, die alleine nicht zugänglich wären.


Das RuhrMuseum widmet sich der Geschichte des Ruhrgebiets. Gezeigt wird von allem etwas wie z.B. alte Fotos, Gegenstände aus der Bergbauära, naturhistorische Objekte und viele interessante Fakten zum Ruhrgebiet. Das Herzstück des Museums ist die Treppe, die grell orange beleuchtet ist im ansonsten finsteren Stiegenhaus. Das Orange ist natürlich nicht zufällig gewählt, sondern soll an den glühenden Stahl erinnern, der ohne die Hitze der Kohlen nicht bearbeitet werden könnte.


Das Red Dot Designmuseum: beherbergt Objekte, die mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet wurden, dazu gehören banale Dinge wie Waschmaschinen und Toaster, aber auch Möbel, Fahrräder und sogar ein kleines Flugzeug. Wer sich für Industriedesign interessiert, der sollte dem Museum jedenfalls einen Besuch abstatten.


Der zweite große Gebäudekomplex-  etwas entfernt vom Besucherzentrum und RuhrMuseum  - ist die Kokerei (ohne s, darauf besteht man dort :-)). Dabei handelt es sich um den ehemaligen Hochofen, in dem die Kohle zur eigentlichen Verwendung bearbeitet wurde. Auch hier kann man an einer zweistündigen Führung teilnehmen. In Kleingruppen geht es heute direkt durch den Hochofen durch und man mag sich dabei gar nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen die Leute dort damals gearbeitet haben. Die Kokerei ist vor allem im Hochsommer und im Winter einen Besuch wert. Im Sommer nämlich wird eines der Becken mit Wasser gefüllt und man kann tatsächlich im sogenannten Werksschwimmbad schwimmen gehen. Die Gelegenheit habe ich diesen Sommer leider verpasst, aber es steht fix auf meiner Bucket List für nächstes Jahr. Im Winter wird die große Fläche vor dem Hochofen auch mit Wasser gefüllt, diesmal aber um daraus eine riesige Eislauffläche zu machen. Nicht nur Städte wie New York oder Wien haben also einen Eislaufplatz vor imposanter Kulisse, auch das Ruhrgebiet kann sowas bieten.


Wer keine Lust auf Museum oder eine geführte Tour hat, kann sich auf dem Außengelände frei bewegen. Die alten Rohre und Schienen, die schön langsam vom Grün der Natur erobert werden, laden zum Spazieren und Fotografieren ein. Hier hängt plötzlich eine Schaukel, dort verbergen sich mehrere Skulpturen und wem das alles nicht reicht, der kann einen Crossgolf Kurs oder einen Vollmondspaziergang buchen.  Außerdem gibt es in der Zeche immer wieder Spezialevents wie den Designmarkt, die lange Nacht der Industriekultur und im Winter natürlich einen Adventmarkt.


Also, wer mal in der Nähe ist: Hinfahren, anschauen und die Kamera nicht vergessen!

Über die Autorin 
Karo ist Mitte 30 und vor einem Jahr mit ihrem Mann von Wien ins Ruhrgebiet gezogen. Sie hat bei ihren Reisen schon einiges von der Welt gesehen und jetzt dabei vom Ruhrgebiet aus den Westen genauer zu erkunden. Ihre Themenschwerpunkte: City-Trips, Kulturreisen, Europa
Wer mehr von Karos Reisen sehen möchte, sollte ihr unbedingt auf Instagram folgen @karoland_on_tour !

1 Kommentar:

  1. Richtig unterhaltsam und angenehm zu lesen. Wollte da auch schon seit Ewigkeiten mal hin, wenn ich mal wieder im Ruhrpott bin!

    lg katja

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