Interview: Zur WM-Zeit durch Brasilien

Freitag, Oktober 30, 2015 Chamy 4 Comments

Freitag ist, Start ins Wochenende und ich dachte mir, es ist auch mal wieder Zeit für ein Reiseblogger-Interview. Heute konnte ich Bianca vom Blog www.lebedraussen.de ein paar Fragen zu ihrer Auszeit in Brasilien und ihren Reiseerfahrungen stellen.


Liebe Bianca, erstmal Danke fürs Zeit nehmen! Willst du dich kurz mal vorstellen?

Hallo Carmen, das mache ich gerne: Mein vollständiger Name ist Bianca Gade, ich bin 37 Jahre jung und lebe mitten in einem Biosphärenreservat im Saarland. Gebürtig komme ich aus São Paulo (Brasilien), habe zwei Staatsbürgerschaften und lebe seit meinem 6. Lebensjahr in Deutschland. Ich liebe Fitness, lange Wanderritte durch unsere naturbelassene Landschaft, fliege Gleitschirm, tauche bei günstigen Gelegenheiten und wenn ich mir ein Motorrad leihen kann, fahre ich saugern auch damit eine längere Tour. Kürzlich durfte ich sogar mal das Wellenreiten erlernen, das ich irgendwann gerne in Brasilien vertiefen möchte. Alle Touren und Abenteuer halte ich dabei auf www.lebedraussen.de fest - einmal nur für mich aber auch für meine Freunde, die ebenso oft aktiv sind.


Wenn man nach deiner Beschreibung geht, bist du ein ziemliches Energiebündel. Warst du schon immer ein Abenteuerjunkie und was war für dich bis jetzt das aufregendste Erlebnis?

Witzigerweise fühle ich mich gar nicht so sehr als Energiebündel, da mir alle Aktionen auch zur puren Erholung dienen. Abenteuer habe ich zwar schon immer gerne erlebt, doch verstärkte sich das nach meiner Diagnose, Tumore auf der Leber zu haben. Glücklicherweise ist daraus nichts Lebensbedrohliches geworden, doch es hat mich ziemlich aufgeschreckt. Seitdem lebe ich nach dem Motto: Gibt deinem Leben nicht mehr Zeit, sondern deiner Zeit mehr Leben.

Das wohl aufregendste Erlebnis war generell die drei Monate Auszeit zur WM 2014, in der ich alleine durch Brasilien reiste. Dank eines finanziellen Polsters konnte ich einfach nur reisen und erfüllte mir Vorort lang ersehnte Träume. Getreu dem Motto: Was wolltest Du schon immer mal im Leben getan haben? So galoppierte ich einsame Strände entlang, schwamm mit wilden Delfinen, erlernte Portugiesisch wieder neu, tauchte und schnorchelte in Gewässern des Pantanals, dem brasilianischen Sumpfgebiet. Ich machte Nachtwanderungen in Rio auf riesige Steine, wovon sich Base-Jumper stürzen, lernte in der Metropole São Paulo viel über japanische Geschichte und ging in fast trockenen Wasserstellen in der Steppe Brasílias baden. Ich kann gar nicht sagen, was davon alles das beste und aufregendste Ereignis war, da alles anders und besonders war. An zwei Momenten aber, kann ich mich aber besonders gut erinnern: Erster war, als ich bei Vollmond draußen lag, den Wind im Gesicht spürte und unter mir die hell erleuchtete Stadt Rio de Janeiro lag. Zweiter Moment war, als ich in der mysteriösen Lagune tauchte und mich auf den Rücken drehte, um das strahlende Sonnenlicht von oben zu erblicken - unter mir ein 220 Meter tiefes, schwarzes Loch. Zu diesen Zeitpunkten war ich mir ganz besonders nah und das prägt mich bis heute.


Du bist 3 Monate lang während der WM-Zeit durch Brasilien gereist. Wie kam es dazu und war es eine Spontanaktion oder lang geplant?

Die Idee der Reise entwickelte sich erst langsam. Alles begann damit, dass ich mit mir selbst und mit meinem Leben unzufrieden wurde, obwohl es daran nichts auszusetzen gab. Doch es fehlte mir an Motivation, vieles war zur Routine geworden und ich fragte mich, ob das nun schon alles war. Daraus entstand die Idee, sich eine Auszeit zu nehmen. Da mein Vater in Recife noch ein Haus hat, das 900 Meter vom neuen Fußballstadion entfernt liegt, war der Zeitpunkt dann auch festgelegt. Die Vorbereitungen dauerten aber an: Meinen Job wollte ich deswegen nicht verlieren und überlegte daher mit meinen Vorgesetzten, ob und wie eine solche Auszeit möglich sei. Wir einigten uns dann darauf, dass ich die ersten vier Wochen von Brasilien aus zwei Stunden am Tag arbeite und für die restliche Zeit waren zwei Kollegen bereit, das Wichtigste abzufangen. Glücklicherweise kann ich als Marketingleiterin gut im Voraus planen, sodass ich vieles vorbereiten konnte. Dazu kam, dass die Sommerzeit generell eher ruhig ist. So war der Zeitpunkt perfekt gesetzt, die Chefs machten mit und auch meine bessere Hälfte gönnte mir von Herzen diese Reise - wenngleich er auch keine großen Freundensprünge machte. Dafür liebe ich ihn aber umso mehr :)


Du hast auch eine Favela-Tour in den "Slums" von Rio gemacht. Wie war diese Erfahrung für dich?

Die Faszination Favela entwickelte sich nach einem Fernsehbericht. Als meine Familie und ich noch in Brasilien lebten, haben wir um die Favelas immer einen großen Bogen gemacht, aus Angst vor Kriminalität. Das ist auch noch heute nicht ganz unbegründet. Durch die WM wurde in Rio doch schon einiges getan und so kam der Wunsch hoch, eine solche Favela zu besuchen. In diesem Bericht hörte ich außerdem von Hostels, die in den Favelas von Rio eröffnet wurden, was mich dann veranlasste, direkt in einer Favela zu übernachten. Für sieben Euro die Nacht gab es Meerblick direkt auf die Copacabana und um diesen zu genießen, schlief ich nicht im Bett, sondern draußen auf der Veranda.

Auch eine Favela-Tour konnte ich dank einer lieben Freundin, die in Rio lebt, machen. Wir sind mit Motorrad-Taxis auf den höchsten Punkt der Favela Rocinha gefahren worden, haben dort einen Freund besucht und sind dann in diesem Favela-Labyrinth wieder nach unten spaziert. Natürlich nicht ohne vorherigen Sicherheitseinweisungen seitens meiner Freundin, falls doch mal geschossen wird. Ein Spaziergang ist das auch in vermeintlich sicheren Favelas nicht und man sollte sie nur mit Ortskundigen besichtigen.

Alles in allem fühlte ich mich aber in den Favelas doch recht sicher, zumindest zur hellen Tageszeit. Negativ beeindruckt hat mich die irrsinnige Mischung zwischen Arm und Reich dort in Rio. Haus an Haus leben die Ärmsten der Armen mit den Reichsten der Reichsten zusammen. Da erkennt man wirklich, wie gut es uns geht.


Gab es auch "Pannen" oder unschöne Dinge auf deiner Reise? Würdest du diese Reise genauso noch einmal machen, oder gibt es Dinge, die du im Nachhinein anders planen würdest?

Es gab eine schlimme Panne auf meiner Reise zu der Zeit, als mich meine Schwestern für zwei Wochen begleitete. Wir waren in einem wunderschönen Hotel und buchten dort einen Ausritt durch ein Stückchen Pantanal. Da meine Schwester noch nie auf einem Pferd gesessen war, fragte ich bei der Buchung nach Reitkenntnissen. Anfänger wären kein Problem, sagte man mir, man würde sowieso nur im Schritt gehen. Am Tag des Ausrittes sagte ich einem Guide noch, er solle meiner Schwester ein besonders ruhiges Anfängerpferd geben, da sie keine Reiterfahrung hat. Wir ritten ca. 15 Minuten, als meine Schwester plötzlich von ihrem Pferd aus heiterem Himmel abgeworfen wurde. Außerdem trat es aus und verletzte sie am Beim. So sehr, dass sie stark blutete, vor Angst zitterte und weder laufen konnte, noch weiter reiten wollte. Ich gab ihr mein sehr ruhiges Pferd und sie nahm allen Mut zusammen, setzte sich drauf und wir ritten mit rund 15 Leuten wieder zurück. Ich nahm ihr Pferd, das alles andere als ruhig war. Ich war so sauer auf den Guide und machte mir unendlich viele Vorwürfe, sie überhaupt auf die Idee gebracht zu haben, diesen Ausritt zu wagen (ich selbst reite seit ich Kind bin). Noch Tage später hatte sie Probleme und wurde in mehreren Krankenhäusern untersucht, was den Urlaub natürlich ziemlich dämpfte. Glücklicherweise konnten wir später trotzdem noch einiges zusammen erleben.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich etwas anders machen würde. Würde ich aber nicht. Die Mischung aus geplanten Reisepunkten und spontanen Aktionen Vorort, empfand ich für mich als sehr angenehm. Klar, wäre ich möglicherweise an einem Ort kürzer oder länger geblieben - doch mit der Planung entgang ich so der “Gefahr” irgendwo zu versumpfen oder zu vorschnell abzureisen. In beiden Fällen hätte ich einige Abenteuer nicht gehabt :)


Was war bis jetzt deine schönste Reiseerfahrung?

Tolle Reiseerfahrungen sind für mich vor allem jene, mit denen man mit Einheimischen zusammen kommt. So waren meine bessere Hälfte und ich vor ein paar Jahren mal zum Gleitschirmfliegen in Tucuman, Argentinien. Während er einen schönen Flug hatte, bin ich irgendwo “abgesoffen”, also irgendwo eingelandet und musste per Anhalter und Taxi irgendwie wieder zum Startplatz. Auf dem Weg dorthin nahm ich in meinem Taxi noch einen weiteren Gleitschirmpiloten mit, der meinen Lebensgefährten und mich später zu sich und seiner Freundin zum Abendessen einlud. Diese Nacht wurde zu einer unvergesslichen, argentinischen Grillparty mit ganz tollen Menschen :)


Wohin führt dich deine nächste Reise?

Im Augenblick ist noch nichts geplant, da wir mitten im Hausumbau sind. Sobald es aber irgendwie geht, will ich wieder nach Brasilien und neue Ecken erkunden. Vielleicht geht es im Herbst aber auch mal wieder zum Fliegen nach Frankreich oder Italien - wir werden uns da ganz spontan nach dem Wetter richten :)

4 Kommentare:

Food & Fun #3

Mittwoch, Oktober 28, 2015 Chamy 2 Comments

Runde 3 meiner Food & Fun - Beiträge, wo ich euch im Schnelldurchlauf ein paar Einblicke in meinen kulinarischen Alltag und meine Aktivitäten geben möchte.



// FOOD


BarBQ Music Bar

Wer mal südlich von Wien die Bundesstraße 17 entlang fährt, wird früher oder später an der BarBQ Music Bar in Guntramsdorf vorbeikommen. Seit knapp einem Jahr befindet sich in der ehemaligen „Galleria“ nun das amerikanische Musik-Lokal und vor Kurzem habe ich es nun auch endlich hingeschafft. In angenehmer Atmosphäre können Gäste Spezialitäten aus Küche und Bar genießen. In der BarBQ Music Bar gibt eine große Auswahl an Burgern, Ribs, Steaks, Burritos, leckere Nachspeisen und jede Menge Cocktails gepaart mit Rock & Pop Musik. Preislich ist das Lokal eher im mittleren Bereich angesiedelt, wobei man sagen muss, dass alle Speisen in wirklich großen Portionen kommen und die Qualität auch top war.


Gutshof Richardhof & Krauste Linde

Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben und so kehrten wir bei einer kleinen Wanderung im Gutshof Richardhof ein. Früher hatten wir dort immer gern Rast gemacht, nach zig Neuübernahmen konnte man das Lokal leider nur noch meiden. Eigentlich ziemlich schade, da die Lage wirklich schön ist und man aus dem Landgasthof auch was Tolles machen könnte. Wie dem auch sei, es gab mal wieder eine Neuübernahme und so wollten wir dem Richardhof wieder eine Chance geben. Wie gesagt, die Lage ist klasse: Direkt an der Weinstraße zwischen Mödling und Gumpoldskirchen, eingebettet in Hügel und mitten im Wald. Leider ist aber das Service nach wie vor einfach nicht erwähnenswert. Obwohl kaum Tische belegt waren, mussten wir gut 10 Minuten warten, ehe sich ein Kellner zu uns gesellte. Unsere Bestellwünsche wurden teilnahmslos aufgenommen und dann hieß es wieder eeeeewig warten, wobei der Kaffee schon kalt war, eher der Kuchen kam. Meine Bestellung (die noch länger dauerte) kam unvollständig an und hat geschmacklich auch nicht wirklich überzeugt. Echt schade, da ich gerne etwas Positives geschrieben hätte und so der Richardhof erstmal wieder von uns gemieden wird. Solltet ihr aber trotzdem mal am Anninger wandern, dann geht doch einfach noch ein Stückchen weiter zur Waldrast Krauste Linde. Vom Richardhof sind es zwar noch knapp 25 Minuten bergauf, die sich aber lohnen. Die Mehlspeisen sind wirklich lecker und die Kellner flott und freundlich!


Flieger - Flieger

Noch ein kleiner Food-Tip am Rande: Im Restaurant Flieger - Flieger in Laxenburg gibt es bis 01.12. 50% Rabatt auf viele leckere Speisen. Ich bin in der "Flieger Bar" doch recht häufig essen und finde sowohl die Speiseauswahl als auch die Speisen selbst richtig klasse. Zu den günstigeren Restaurants gehört Flieger - Flieger zwar nicht, aber die großen Portionen machen dies auf alle Fälle wett. Außerdem gibt's ja dank Herbstwochen auf viele Gerichte Rabatt. :-) Nach dem üppigen Essen kann man sich dann auch gleich die Beine im Schlosspark Laxenburg vertreten.



// FUN


Lainzer Tiergarten

Als es noch etwas wärmer war, habe ich es tatsächlich das erste Mal in den Lainzer Tiergarten geschafft. Der Tiergarten (der eigentlich gar kein Tiergarten im eigentlichen Sinne ist), befindet sich am Rande von Wien, im östlichen Wienerwald. Seit vielen Jahrzehnten handelt es sich bei diesem besonderen Erholungsgebiet um ein beliebtes Ausflugsziel, was vor allem der einmaligen Kultur- sowie Naturlandschaft, dem Reichtum der Pflanzen- und Tierwelt und den kulturhistorischen Ausstellungen in der Hermesvilla zu verdanken ist. Wir sind vom Lainzer Tor quer durch den kompletten Park gewandert, was sich dann gerade beim letzten Stück doch ordentlich in die Länge gezogen hat. Im Tiergarten selbst haben wir dann im Cafe Restaurant Labstelle bei der Hermesvilla Mittaggegessen (etwas teurer, aber noch im Rahmen) und sind dann noch auf ein Getränk im Rohrhaus eingekehrt.


Kurpark Oberlaa & Kurkonditorei

Und wenn wir schon beim Spazieren in Wien sind, dann kann ich euch den Kurpark Oberlaa nur wärmstens ans Herz legen. Die letzten Wochen war ich gleich 3x dort, da ich finde, dass er einer der schönsten Parks in Wien ist. Die Parkanlage, die sich im 10. Wiener Gemeindebezirk befindet, erstreckt sich auf rund 860.000 m² und bietet wirklich viele Attraktionen. Neben ein paar Restaurants und Kioske, die für Erfrischung sorgen gibt es viele Spielmöglichkeiten für Kinder, ein Skatend, einen Streichelzoo mit Ziegen, einen Allergiegarten, wo man vor den jeweiligen Pflanzen angebrachten Schautafeln die verschiedenen Pollenflugzeiten, die Verbreitungsräume und weitere botanische Informationen entnehmen kann, einen kleinen barocken Brunnengarten mit schattigen Sitzmöglichkeiten, ein Blumenlabyrinth mit einem Durchmesser von 18 Meter, der Filmstadt, einem kleinen Japanischen Garten mit Steinbrücke, dem Liebesgarten und und und… Ich war echt schon einige Male im Kurpark Oberlaa und entdecke jedes Mal aufs neue interessante und schöne Plätzchen. Eingekehrt sind wir diesmal übrigens in der bekannten Kurkonditorei Oberlaa, wo es für mich eine leckere Apfel-Mohn-Torte sein durfte.



// GOODBYE & WELCOME


Vergangene Blogbeiträge

Seit meinem letzten regulären Food & Fun Beitrag ist einiges an Zeit vergangen und so gab es auch viele, viele neue Berichte hier zu lesen. Insgesamt waren es stolze 35 Beiträge, wovon am öftersten das Interview "Ich bin mit 21 der Liebe wegen in die Türkei ausgewandert" angeklickt wurde. Auch gab es weitere Beiträge aus meiner Interview-Reihe und auch die Bloggerserie mit euren schönsten Urlauben ging weiter. Ich selbst habe euch auf meinen Kurztrip in die Wachau und nach Salzburg mitgenommen und es kamen auch noch weitere Beiträge zu Istanbul online. Kulinarisch habe ich euch das gluten- und laktosefreie Restaurant "Gasthaus zum Wohl" ans Herz gelegt, das fleischige Restaurant AuGust in der Schweiz vorgestellt und euch von meinem Essen im Das Turm in Wien berichtet. Auch gab es Berichte zur 3. Mann Tour, wo ich in die Wiener Kanalisation hinab gestiegen bin, meinem wunderbaren Besuch im Hammam und dem Live Escape Game "AdventureRooms".

Auf was ich mich freue...

Ruhe! Ja im Moment ist erstmal etwas Ruhe angesagt. Den ganzen Sommer über habe ich mir fast jedes Wochenende mit Kurz-Trips und Unternehmungen zugepflastert, was zwar einerseits ganz schön, andererseits auch ziemlich stressig war. Im Moment streikt mein Körper etwas und schreit nach Ruhe, was ich ihm nun auch gönnen werde und weswegen ich leider auch recht kurzfristig meine Thessaloniki-Reise absagen musste. Ich bin da ehrlich gesagt noch immer ein bisschen traurig, da ich schon lange nicht mehr in Griechenland war und mich Thessaloniki wirklich interessiert hätte, aber wenn's nicht geht, dann geht's nicht… Die einzige Reise, die für dieses Jahr noch geplant ist, ist eine Woche Andalusien Ende November und vielleicht noch 1-2 Tagesausflüge hier in Österreich.

2 Kommentare:

Wien: Gluten- und laktosefrei genießen im Gasthaus zum Wohl

Montag, Oktober 26, 2015 Chamy 0 Comments

Bei leckerem Essen bin ich ja immer ganz vorn dabei und so freute ich mich sehr auf das Fooddate mit Thanh und Tina letzten Samstag! Unser kulinarisches Ziel: Das Gasthaus zum Wohl im 6. Wiener Gemeindebezirk. 



Der Name im Gasthaus "Zum Wohl" ist übrigens Programm, denn Christina und Albert Schmidbauer bieten in ihrem Lokal gluten- und laktosefreie Küche an. Bis vor Kurzem war dies noch kein Kritikpunkt bei der Lokal-Wahl, da ich aber seit einigen Wochen ziemliche Magenprobleme und vermutlich eine Laktoseintoleranz habe, achte ich nun auch wo und was ich esse. 
Aber was befindet sich nun auf der Speisekarte des "Zum Wohl", nur Diätkost? "Nein, wir wollten ein Gasthaus, das alle vertragen. Sowohl Gäste, die an diversen Unverträglichkeiten leiden, also auch Gäste die keine Probleme mit Lebensmittel haben, kommen gerne zu uns. Letztere merken bei der Speiseauswahl auch gar keinen Unterschied bemerken.", erklären die Besitzer. Ich bin da ja immer etwas skeptisch, muss den Gastronomen aber recht geben! Auf der Speisekarte befinden sich neben einer schönen Auswahl an veganen und vegetarischen Gerichten auch Gasthausklassiker wie Rindsgulasch (11,80€), Eiernockerl (9,50 €) oder Paprikahenderl (14,50 €). Natürlich sind die Nockerl nicht wie üblich aus Weizenmehl, sondern aus speziellem, glutenfreien Mehl hergestellt und auch bei den anderen Speisen werden ausschließlich laktosefreie Milchprodukte und glutenfreies Mehl  verwendet.

Aber nicht nur bei den "Allergika-Speisen" wird streng darauf geachtet was auf den Teller kommt, auch beim Rest wird geschaut, dass nur hochwertige, saisonale Produkten verarbeitet werden. Als Fleischlieferanten werden so Vorzeigebetriebe wie Gut Dornau oder der Labonca-Biohof genannt. Cola & Co. findet man nicht auf der Karte dafür leckere Bio-Säfte von Lutz und Bio-Weine von Hareter. Und auch das glutenfreie Bier wird extra in von Salzburger Ausnahmebrauerei Gusswerk hergestellt.


Soviel also nun zum Konzept, nun aber zum Wesentlichen: "Wie haben die Speisen geschmeckt?" Da wir eine Veganerin in der Runde hatte und auch sonst unterschiedliche Speisevorlieben hatten, konnten wir relativ viel durchprobieren. Als Vorspeise entschied ich mich für die Marinierte Feldgurkemit Avocadocreme und geschmorten Strauchtomaten der Hauptgang war eine Kinderportion Hühnerfilet mit Paprikasauce und Petersilerdäpfeln und als Nachspeise habe ich mir einen Mandel-Reispudding mit Beerenragout gegönnt. Alle Speisen schmeckten wirklich lecker, wobei ich anmerken muss, dass mir persönlich alles zu wenig gewürzt war. Ich bin ein bekennender "Vielwürzer" und bei mir kann es gar nicht genug nach Gewürzen und gerne auch schärfer schmecken. Bei all meinen Gerichten musste ich also ordentlich nachsalzen und pfeffern, wobei das jetzt kein großer Kritikpunkt sein soll, immerhin hatte ich als Hauptspeise ein Kindergericht und auch Thanh die meine Gerichte probierte, meinte, dass es für sie ausreichend gewürzt sei. Aber ja, da sind Geschmäcker eben verschieden. Thanh aß übrigens die empfohlenen "Zum Wohl"-Blinis mit luftgetrocknetem Labonca-Edelschopf und geräuchertem Stör aus dem Hause Grüll, welche unheimlich lecker waren und ich sicher beim nächsten Mal bestellen werde und als Haupgericht gab es bei ihr Paprikahenderl mit "Zum Wohl"-Nockerln und frischen Kräutern, welches ich ebenfalls ganz gut fand, wobei die glutenfreien Nockerl doch etwas anders als die herkömmlichen schmecken. Das Dessert Erdbeer-Panna cotta mit Zwetschkenröster war dafür himmlisch! Tinas Karotten-Currysuppe probierte ich nicht, dafür aß ich zum ersten Mal Buchweizen in ihrem Buchweizen-Gemüserisotto. Als Nachtisch kam ein Turm aus leckeren Sorbetvariation. Getränketechnisch bestellte ich zuerst eine hausgemachte Tageslaune-Limonade, die aus Beeren bestand und soweit auch ganz lecker – jedoch mir zu ungesüßt – war und dann noch einen Karotten-Apfel-Quitten-Saft. Außerdem hatte ich die Möglichkeit Helga, ein Chlorella-Algengetränk zu probieren. Mit der  grünen Farbe hätte ich es wohl nicht bestellt, jedoch merkte ich beim Probieren, dass das Getränk wirklich lecker schmeckt und einen Versuch allemal Wert ist!


Fazit: Ein wirklich netter Abend mit leckeren und "mal etwas anderen" Speisen. Obwohl das "Zum Wohl" nicht gerade auf meinem Weg liegt, wird es mich bestimmt wieder dorthin ziehen. Anfang nächsten Jahres wird außerdem  ein paar Häuser weiter, eine gluten- und laktosefreie Pizzeria eröffnet, verriet uns schon der Inhaber Albert Schmidbauer.

Gasthaus Zum Wohl

Stumpergasse 61

1060 Wien

täglich 9-23 Uhr

Fotocredits: Presse (1), Eccovienna/Tina (9)

0 Kommentare: