Lost Place: Der Reiz der verlassenen Orte - Vom Teufelsbergs bis Tschernobyl

Ruhige verlassene Orte haben mich irgendwie immer schon besonders gereizt. Einerseits die Stille die dort herrscht, andererseits der Nervenkitzel. Keine Menschenseele weit und breit… oder etwa doch?! Ich glaube es ist kein Geheimnis mehr, dass ich abends und nachts liebend gern durch die Straßen ziehe. Da hat die – nahezu ausgestorbene – Stadt einen ganz besonderen Flair und die Mischung aus totaler Ruhe und Entspannung, aber doch ein wenig Angst ist schon sehr faszinierend. Genauso faszinierend finde ich Urban Exploring! Sobald ich ein leerstehendes Gebäude sehe, geht meine Fantasie mit mir durch: Wer da wohl schon drin gewohnt hat? Was könnte schon alles in den Räumlichkeiten passiert sein? Wie sieht es drin aus? Leider bin ich in dieser Hinsicht aber ein kleiner Schisser und so werde ich wohl nie erfahren, was es mit den meisten der Gebäuden auf sich hat. Trotzdem ist die Faszination für diese Lost Places groß, weswegen ich ein paar Urban Explorer zum Interview gebeten habe.

Lost Place Fabrikshalle

Was ist Urban Exploring eigentlich?

Bevor es zu den Erfahrungen meiner geschätzten Bloggerkollegen geht, aber erstmals die Frage, was es eigentlich mit Urban Exploring auf sich hat. Urban Exploring, kurz auch Urbex genannt, ist das Erforschen privater Einrichtungen des städtischen Raums bzw. sogenannter Lost Places. Meist handelt es sich dabei um das Erkunden alter Industrieruinen,  Kanalisationen,  stillgelegter Bahnhöfe,  oder Räumlichkeiten ungenutzter Einrichtungen wie etwa leerstehende Hotels, Lagerhallen, Krankenhäuser,…
Dieser Trend zur Stadterkundung hat ihren Ursprung in den 70er Jahren und kommt aus den USA. Dank Social Media kam es aber auch seit 2012 in Europa zu einem regelrechten Boom Urban Exploring zu betreiben. Für die meisten Urban Explorer liegt neben dem Nervenkitzel die Motivation im Entdecken und fotografisch dokumentieren der Objekte. Mittlerweile gibt es nicht nur zahlreiche Websites mit tollen Fotos von Lost Places, sondern auch beeindruckende Bildbände über die verlassenen Orte. Zerstörung oder Diebstahl sind für Urbexer zwar tabu, trotzdem bewegt sich Urban Exploring in einer rechtlichen Grauzone. Denn streng genommen handelt es sich hierbei um Hausfriedensbruch, da man unbefugt ein Grundstück betritt. Wird beim Betreten eines Geländes dann auch noch ein Zaun, Fenster oder eine Türe beschädigt, fällt dies eigentlich unter Sachbeschädigung, auf die eine Geld- oder gar Freiheitsstrafe droht. Praktisch kam es allerdings noch kaum zu Strafen, da die Polizei erst gegen Urban Explorer ermittelt, wenn der Eigentümer des Gebäudes Anzeige erstattet. Trotzdem sollte man beim Urban Exploring nicht leichtsinnig agieren, da das Hobby nicht ganz ungefährlich ist. Viele der Gebäude sind schon mehr als baufällig, sprich Decken sind kurz vorm Einstürzen, Löcher klaffen im Boden, Glasscherben versperren den Weg und hin und wieder hausen (aggressive) Drogensüchtige und Obdachlose in den verlassenen Objekten.

Im Interview: Urban Roach

Seit 2013 findet man auf dem österreichischen Blog Urban Roach - Exploring the dark Side wirklich eindrucksvolle Fotos von Lost Places, wie etwa einen aufgelassenen Wasserpark oder ein ehemaliges Kinderkrankenhaus. Ich muss gestehen, es ist einer meiner Lieblingsblogs, wenn es um Urban Exploring geht, weswegen ich auch richtig happy bin, dass mir die Betreiberin von Urban Roach Rede und Antwort stand.

Lost Place Wasserpark

Wie bist du denn zu deinem ungewöhnlichen Hobby gekommen?

Puh...angefangen hat das Ganze wohl etwa 2012. Ein gewisses Interesse für solche Orte hatte ich schon länger. Mich hat die Geschichte vom Atomkraftwerk Tschernobyl schon längere Zeit fasziniert. Damals aber noch nicht mit dem Blick, dass es ein komplett verlassenes Sperrgebiet gibt. Das führte dann dazu, dass ich die Spiele der S.T.A.L.K.E.R -Reihe entdeckte und sofort fasziniert war. Kurz gesagt muss man einer gewissen Storyline im Sperrgebiet rund um den Unglücksreaktor folgen. Das wirklich Interessante für mich war aber nicht nur die Story oder gar das „Rumballern“, sondern die Tatsache, dass man das komplette Gebiet erforschen konnte. Keine Ahnung wie viele Stunden ich damit verbracht habe, die Map auszukundschaften. Es gab alte Häuser, Sümpfe und unterirdische Bunker. So etwas im Real-Life zu erleben wäre schon cool... nur würde ich wohl niemanden für einen Urlaub in Pripjat finden. Das Schlüsselereignis gab es dann während eines Schulprojektes. Wir sollten ein Selbstportrait anfertigen. Ich hatte einige Monate vorher zum Geburtstag eine Kamera bekommen. Ich hatte die Idee ein Lightpainting zu machen, dazu fuhr ich zu einer Aussichtskuppel am Bergisel und knipste ein paar Bilder. Da es natürlich recht spät war, war der öffentliche Nahverkehr etwas eingeschränkt und ich durfte über eine halbe Stunde warten. Es war also recht kalt und langweilig, da fiel mir plötzlich das Gasthaus mit dem Bauzaun neben der Haltestelle auf. Da kam mir der Gedanke. Nach einigem hin und her erklomm ich also die Leiter zum zweiten Stock und stolperte über das Fenster in die Toilette. Im Schnelldurchlauf erkundete ich die düsteren Räume. Zu der Zeit wurde dort gerade renoviert und es gab eigentlich nicht viel zu sehen. Nach etwa 20 Minuten war ich wieder draußen und lud noch am selben Abend die Bilder in ein Portal für Künstler hoch. Wenig später wurden die Bilder in diverse Gruppen die alle ein ominöses „Urbex“ im Namen hatten, aufgenommen. Nach etwas Zeit auf Google kam die Erkenntnis, dass es sich dabei um eine eigene Spalte innerhalb der Fotografie handelt. Ab da war ich dann wortwörtlich infiziert. Ich habe dann direkt weiter nach Orten in der Umgebung gesucht und wenig später den Blog gestartet.

Lost Place Fabrikshalle
Lost Place Kirche

Was ist das faszinierende daran verlassene Gebäude und Locations zu erkunden?

Die meisten von uns dürften aus ihrer Kindheit in irgendeiner Form Geschichten wie Die Schatzinsel oder 20.000 Meilen unter dem Meer kennen. Wer wäre damals nicht gerne an Board der Nautilus gewesen um fremde Gewässer und ferne Orte zu erkunden? Leider kommt später die Ernüchterung: Es gibt keinen weißen Fleck mehr auf der Landkarte. Wirklich entdecken kann man nichts mehr. Man kann aber wiederentdecken. Orte und Gebäude die aus dem Gedächtnis verschwunden sind, deren Geschichten nie erzählt werden. Das ist das Faszinierende. Dieses Entdecken, einen Ort erforschen der für die meisten eben ein weißer Fleck ist. Natürlich kommt auch ein bisschen das Adrenalin dazu, aber das ist eher zweitrangig. Für viele spielt auch die Ästhetik eine große Rolle. Interessant ist auch, dass es in der Aktfotografie ebenfalls eine Unterkategorie der Lost Places gibt, quasi das frische, schöne Fleisch im Kontrast zum Verfall.

Lost Place Fabrikshalle

Leestehende Hallen, düstere Keller, baufällige Gebäude - ist das nicht unheimlich?

Ich bin generell jemand, der sich nicht so leicht gruselt. Deswegen macht mir das eigentlich nicht so viel aus, auch ist normalerweise immer jemand dabei, gerade an großen Orten, allein schon weil es sicherer ist. Da einzige was mir wirklich unheimlich ist sind Dachböden. Ich weiß nicht warum, aber sowohl die strukturelle Stabilität als auch das, was mich dort erwarten könnte macht mich etwas nervös.


Was war der beeindruckendste Lost Place?

Das ist schwer zu sagen, es gab viele tolle Lost Places bisher. Oft sind es ja nicht nur die Orte sondern die ganzen Touren. Man ist unterwegs, es ist in gewisser Form wie Urlaub. Untertags erkundet man, abends sitzt man beim Essen oder auch mal dem ein oder anderen Bier zusammen. Ich glaube es ist oft eher das Gesamtkonzept als wirklich ein spezieller Ort selber. Aber rein vom architektonischen Aspekt war wohl einer der beeindruckendsten Lost Places ein Wasserkraftwerk in Italien. Die Hallen sind riesig, hoch und einige der Turbinen waren auch noch da. Was dort aber wirklich so toll war, war der Verfall. Überall findet sich Natur, welche den Ort langsam zurückerobert. Der Weg dorthin war auch ziemlich spannend, dafür wurde man danach um so mehr belohnt.

Wie entdeckt man solche Plätze?  Zufall oder Recherche?

Eigentlich beides. Ich persönlich recherchiere aber sehr intensiv. Irgendwie ist es für mich der spannendste Teil der Erkundungen. Wir verbringen sehr viel Zeit auf Maps, in Online-Archiven oder Foren. Man sammelt Informationen bis man einen Ort findet. Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit und am Ende hat man noch viel mehr Freude, wenn man dann endlich da ist. Ab und zu kommen auch Orte durch Kollegen hinzu. Generell kann man aber sagen, dass man jeden Ort finden kann wenn man sich etwas anstrengt ;) Abgesehen davon, dass man nicht nur den Ort findet, sondern noch viele interessante Fakten über die Gebäude oder die gesamte Region.


Wurdest du schon mal erwischt, während du ein verlassenes Gebäude erkundet hast?

Erwischt wurde ich zweimal, aber ohne weitere Konsequenzen. Ab und zu musste auch der lautlose Rückzug angetreten werden. Einmal hatte ich es auch mit jugendlichen Hausbesetzern in Berlin zu tun. Die Situation war aber sehr entspannt, die beiden 13-jährigen Jungs hatten da tatsächlich mehr Panik als ich. Die wohl übelste Erfahrung war aber als mir ein Hausbesitzer mit einer Anzeige gedroht hat, nachdem ich ihm eine Mail geschrieben hatte, ob es möglich wäre das Gebäude zu besuchen. Ich hab bis heute keine Ahnung wie ich ihn so verärgern konnte, aber am Ende verlief das Ganze doch im Sand.

Lost Place Kirche
Lost Place Kirche

Gibt es einen verlassenen Platz, der noch auf der „Must See“ Liste steht?

Ohje, da gäbe es viele. Wie bereits gesagt, natürlich die Sperrzone rund um den Reaktor Nr. 4. Was mich aber auch wirklich reizen würde wären die ganzen verlassen Walfänger- und Forschungsstationen in der Antarktis oder die verlassenen Tunnel der Moskauer U-Bahn oder, oder, oder...


Im Interview: Urban Roach Julia vom MeinWeltbuch

Im November 2016 hat Julia auf MeinWeltbuch ihr ganz persönliches Reisebuch aufgeschlagen. Hier schreibt sie v.a. über besondere Begegnungen und authentische Orte auf Reisen, abseits bekannter touristischer Pfade. Mit dabei hat sie ihren Freund Daniel, Fotograf und Sprachgenie, und gemeinsam entdecken die beiden möglichst individuell die Gegenden der Welt, an denen man Mensch und Natur noch ursprünglich erleben kann. Reise-Inspiration, tolle Geheimtipps und echte Abenteuer garantiert!

Lost Place

Wie bist du zu Urban Exploring gekommen?

Mein erster „Lost Place“ war die völlig verwucherte kleine Oase „Al Qattara“ in der kleinen Stadt Al Ain im Süden der Arabischen Emirate im April 2013. Mein Freund Daniel und ich sind damals auf einer unserer ersten gemeinsamen Reisen mit einem Mietwagen in dem arabischen Land unterwegs gewesen, abseits der berühmten Glitzerwelt der Mega-Cities Dubai oder Abu Dhabi, auf der Suche nach dem echten Leben, wie wir es so gerne tun. Daniel ist Fotograf, ihn interessieren keine Orte, die schon tausendmal abgelichtet worden sind, daher bewegen wir uns gerne abseits der ausgetretenen Pfade, unter Einheimischen und zu Orten, die nicht in erster Linie schön sind. Für mich war das eine völlig neue Welt, die sofort eine unglaubliche Anziehungskraft auf mich ausübte.

Lost Place


Was fasziniert dich so sehr daran?

Die (verborgene) Gefahr, das Verbotene, der Nervenkitzel – bei einem verlassenen Ort oder Gebäude weiß man nie, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet. Nur ein paar verstaubte, zurückgelassene Gegenstände, zersplitterte Fenster, von Pflanzen zurückeroberte Räume, oder gar Lebewesen?! Manchmal ist es eklig, oft surreal, aber mich treibt der Gedanke und die Vorstellung an die Menschen immer weiter, die hier einmal waren oder gelebt haben. Was haben sie an diesem Ort gemacht, weshalb haben sie ihn verlassen und wie hat der Ort wohl früher einmal ausgesehen? Jeder „Lost Place“ erzählt seine eigene Geschichte.




Was waren deine beeindruckensten Erkundungen?

Ich nenne mal meine Top 4:
1.    Die verlassene Stadt Pripyat in der Sperrzone von Chernobyl.
2.    Mount Buzludzha, ein riesiges, einem Ufo gleichenden Gebäude der bulgarischen Kommunistischen Partei auf einem Berg in Bulgarien.
3.    Die Bobbahn der olympischen Winterspiele von 1984 in den Wäldern von Sarajevo in Bosnien-Herzegowina.
4.    Das aufgegebene Hotel „Pondok Indah Bedugul“ auf Bali.


Wie kommt man zu einem solch ungewöhnlichen Reiseziel wie Chernobyl und wie hast du den Besuch wahrgenommen?

Tatsächlich listet Lonely Planet im Buch „Ultimate Travel“ die Sperrzone von Chernobyl auf Platz 156 der 500 Best Places on the Planet. Da wir wie gesagt immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Reisezielen sind, habe ich angefangen zu recherchieren, wie ein Besuch der Zone möglich ist und wie gefährlich das wäre. Auf einem großen Roadtrip durch Osteuropa im Sommer 2017, währenddessen wir auch die Ukraine bereisten, haben wir dann einen Tagesausflug von Kiev in die Sperrzone unternommen – ein unglaubliches Erlebnis! Mir war im Vorhinein schon ein bisschen mulmig zumute. Die Strahlung sieht, riecht und fühlt man nicht, aber man weiß, dass sie da ist, das ist seltsam. Sobald wir die Zone allerdings erreicht hatten, diese ganzen verlassenen Orte und Gebäude besucht und sehr viel über das Unglück gelernt und erfahren hatten, war ich so gebannt, dass ich alle Bedenken vergaß.

Lost Place

Steht noch etwas auf deiner „Must See“ List?

Vor der japanischen Küste gibt es die Geisterinsel „Hashima“, die würde mich sehr interessieren.
Dann sind da noch der eine oder andere verlassenen Freizeitpark oder auch verlassene Hotels, die immer eine Faszination auf mich ausüben.



Lost Place  Chernobyl

Wie entdeckst du solche Plätze? Durch Zufall oder recherchiert man davor?

Teils, teils. Wenn wir ein neues Land bereisen, recherchiere ich meistens im Vorhinein, ob es spannende, verlassene Orte zu bieten hat. Wenn ich über einen interessanten „Lost Place“ in den Medien lese, notiere ich mir das auch oft, für den Fall, dass wir dort einmal hin kommen. Unbekannte, einzelne Gebäude entdecken wir allerdings meistens durch Zufall. Wir sind gerne mit dem Auto unterwegs, biegen einfach mal in eine leere, unscheinbar aussehende Straße ab, und schon findet man die großartigsten Dinge!



Lost Place  Chernobyl

Wurdet ihr schon mal erwischt?

In Wyoming in den USA erkundeten wir einmal ein verlassenes Gelände und die Gegenstände rund um eine Scheune, als ein älteres Ehepaar auf uns aufmerksam wurde. Sie sprachen uns darauf an, was wir da suchten, und stellten sich als Mormonen und darüber hinaus als die Besitzer des Grundstücks heraus. Nach einer kurzen Unterhaltung luden sie uns zum Mittagessen ein :-D


Im Interview: Ines von Gin des Lebens

Thomas und Ines aus Österreich, lieben es zu Reisen. Reisen ist für sie der Gin des Lebens. Auf ihren Blog verbinden sie ihre Reiselust mit ihrer Ginliebe. Gemeinsam wollen sie die ganze Welt entdecken. Manchmal findet man sie auch Unterwasser. Auf ihrem Blog www.gindeslebens.com nehmen sie euch mit auf ihre Abenteuer. Die beiden verraten Tipps und Tricks und suchen auch gerne das ein oder andere Schnäppchen für euch.

Lost Place Teufelsberg

Was ist das beeindruckende an verlassenen Gebäuden?

Bei Lost Places handelt es sich oft um sehr geschichtsträchtige Orte. Es fasziniert uns, wenn diese, oft dem Verfall überlassenen Gebäude, nicht in Vergessenheit geraten, sondern sie quasi wiederentdeckt werden. Teilweise kann man die Geschichte förmlich spüren und wird so irgendwie auch ein Teil von ihr.

Lost Place Teufelsberg

Wie bist du auf die Idee gekommen dem Teufelsberg in Berlin einen Besuch abzustatten?

Wir haben den Teufelsberg in einer TV Show gesehen. Eine Show, die wir eigentlich sonst nicht schauen, aber irgendwie sind wir zufällig hängen geblieben. Für uns hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt. Wir möchten bei nächster Gelegenheit nochmals hin. Ein Teil des Geländes war bei unserem Besuch nicht freigegeben, daher hoffen wir darauf, diesen beim nächsten Mal zu erkunden. Spannend wäre auch ein besonders Licht, so wie zum Beispiel beim Sonnenuntergang.

Lost Place Teufelsberg

Im Gegensatz zu anderen "Los Places" zahlt man hier Eintritt. Gerechtfertigt?

Der Eintritt ist nicht wirklich hoch und dient dem Erhalt des Teufelsbergs. Wir finden das total gerechtfertigt. Manchmal werden mit den Eintrittsgeldern ja auch die Künstler bezahlt, die den Lost Places mit ihren Werken neues Leben einhauchen.


Lost Place Teufelsberg

Gibt es einen verlassenen Platz, der noch auf eurer Liste steht?

Da gibt es einige, aber einer steht bei uns ganz weit oben auf der Liste: die verlassene Minensiedlung Pyramiden auf Spitzbergen. Wir wollten diese heuer besuchen, aber konnten aufgrund von zu dünnem Eis am Fjord leider nicht hin. Die Siedlung kann man im Winter nämlich nur mit dem Schneemobil erreichen. Wir waren dafür in der noch aktiven Minensiedlung Barentsburg. Ebenfalls ein sehr beeindruckender und besonderer Ort auf Spitzbergen.


Im Interview: Kathrin von Travlgedengl

Kathrin von Travlgedengl - weil reisen fetzt! solltet ihr auch von meinem Blog kennen, da sie immer mal wieder Beiträge auch hier online stellt. Auf ihrem eigenen Blog hat sie zuletzt unter anderem über ihren Weg auf dem Camino Portugues berichtet, aber auch ihre Lost Places erfreuen sich größter Beliebtheit.

Lost Place Berlin

Was fasziniert dich an Lost Places?

Schon als Kind war ich total verrückt danach verlassene Orte zu erkunden. Ich bin sehr ländlich in einem 80-Seelendorf aufgewachsen, der von einem Waldgebiet umgeben ist. Sobald wir groß genug waren bin ich mit meinen Freunden im Wald auf die Suche nach versteckten Orten gegangen. Und im ehemaligen Weinberg gab es wirklich allerhand verlassen Weinberghüttchen zu entdecken. Die Suche danach war für uns ein bisschen wie eine Schatzsuche. Manchmal waren sie schon eingestürzt und es war nicht viel darin zu finden. Manchmal waren sie aber toll erhalten und wir haben noch ein paar Möbel und sogar Inventar darin entdeckt, von Flaschen, Werkzeugen, leeren Zigarettenschachteln bis hin zu einer Jacke, die noch über die Stuhllehne hing. Manchmal sahen die Hütten so aus, als wären sie gerade erst verlassen worden. Nur die dicke Staubschicht zeugte davon, wie lange die leere Zigarettenschachtel schon auf dem Tischchen liegen musste. Die kindliche Phantasie ging schon damals mit uns durch, wenn wir uns Geschichten über die ehemaligen Besitzer ausdachten, über Räuber, Mörder und Hexen. 

Naja, was soll ich sagen, das erkunden von Lost Places hat für mich immer noch etwas sehr faszinierendes und ein bisschen was von "Schatzsuche". Auch heute noch gehen mir die verschiedensten Szenarien durch den Kopf, wie der Ort verlassen wurde und wie er wohl aussah, als er noch "mit Leben" gefüllt war. Vielleicht fühlt man sich auch wieder ein bisschen in die Kindheit zurück versetzt
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Lost Place Berlin

Was war der beeindruckendste Ort?


Puh, das kann ich kaum beantworten. Jeder Lost Place hat mich irgendwie berührt. Da verlassene Orte für mich auch immer etwas sehr bedrückendes haben. 

Letztes Jahr habe ich mir die Transrapid-Strecke im Emsland angeguckt. Dort war ich auf der einen Seite tierisch fasziniert von der beeindruckenden Technik, die in der "Schwebebahn" steckt. Auf der anderen Seite die Tragik, die der Ort durch den schrecklichen Unfall 2006, bei dem so viele Menschen, so sinnlos ihr Leben lassen mussten, birgt.



Lost Place Berlin

Gibt es einen verlassenen Platz, der noch auf deiner „Must See“ Liste steht?


Da steht noch einiges. Aber vor allem steht die Sicherheitszone in Tschernobyl bereits seit etwa 10 Jahren auf meiner Bucketlist. Ich weiß, dass das wohl die wenigsten nachvollziehen können, aber ich möchte dort unbedingt mal hin. Irgendwann werde ich mir den Traum sicherlich erfüllen.

Lost Place Berlin



Wie entdeckt man solche Plätze? 

Zahlreiche "Lost Places" habe ich beim Geocachen entdeckt. Viele andere durch Empfehlungen und einige durch gezielte Recherche. Andere habe ich auch einfach so entdeckt. 
Allerdings würde ich niemals irgendwo einbrechen, über einen Zaun klettern oder mir sonst irgendwie gar mit Gewalt Zugang verschaffen. Steht eine Türe offen und das Gebäude erscheint mir sicher und es sieht verlassen aus, riskiere ich aber schon mal einen Blick. Das ich dabei nichts klaue, verändere oder gar zerstöre ist für mich natürlich Ehrensache. Ich will, dass sich andere auch noch an diesen verlassenen Szenen erfreuen können.



Ich hoffe euch hat mein kleines "Lost Place" Special gefallen? In Zukunft wird es hier immer mal wieder Beiträge zu verlassenen Orten geben. Wenn DU auch ein Urban Explorer bist und gerne einen Gastbeitrag verfassen möchtest, dann melde dich gern bei mir!

Das Copyright der Fotos liegt beim jeweils vorgestellten Blogger!

Linz: Kulinarische Hotspots

Kennt ihr das auch? Ihr wollt nach einem anstrengenden Städtetrip gemütlich essen gehen, wisst aber nicht wohin? Ob Italienisch, Chinesisch oder für Liebhaber der Heimischen Küche, hier ist für jedem etwas dabei!

Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Deswegen zeige ich euch meine kulinarischen Hotspots in Linz


L'Osteria Linz

In der L'Osteria an der Linzer Promenade wird italienisches Flair und vorallem Urlaubsfeeling großgeschrieben. Durch die landestypische Musik in den großzügigen Räumen schmeckt das Essen gleich doppelt so gut. Außergewöhnlich (gut) sind hier auch die übergroßen Pizzen. Also nicht wundern, wenn der Kellner „auf zwei Tellern?“ fragt. Einfach zustimmen und überraschen lassen.


Bei großer Auswahl an Restaurants ist es oft noch schwieriger, den eigenen Geschmack zu treffen. Um nicht aus dem sprichwörtlichen Zwergentopf kosten zu müssen, zeige ich euch meine persönlichen Linzer Favoriten.


Mee noodles and more

Dieses Lokal in der Mozartstraße ist, für alle Nudel-Liebhaber, wie geschaffen! Nudeln, in allen Arten und Variationen, soweit das Auge reicht. Außerdem sind die asiatische Spezialitäten und Pasta Sorten auf jeden Fall einen Versuch wert. Du wählst zuerst eine Sorte aus, dazu eine individuelle Sauce und ein Topping.


Cafe Central

Im Central herrscht immer dieses vertraute Wohnzimmer-Feeling. Obwohl es eigentlich ein Cafe ist, bieten sie auch, je nach Saison, heimische und mediterrane Köstlichkeiten in ihrer Speisekarte an. Besonders die Desserts.  Die sind nämlich jede Sünde wert.


Vapiano

„Das Essen im Vapiano schmeckt außergewöhnlich!“, höre ich immer andere schwärmen. Dem kann ich nur zustimmen. ­Denn hier werden die Speisen, vor deinen Augen, frisch in der Schau-Küche zubereitet.



Ich hoffe ich konnte euch ein wenig Inspiration und Hunger vermitteln. Egal ob Chinesisch, Italienisch oder Hausmannskost, meiner Meinung nach findet man in Linz für jeden Geschmack das Richtige.

Zum Abschluss möchte ich von euch wissen: Welchen Küchenstil bevorzugt ihr? Und wo sind eure versteckten Lieblingslokale? Schreibt es in die Kommentare!

Alles Liebe
Eure Simone

Hier kommt ihr zu den anderen Teilen von meiner „Linzer Stadtgeflüster“ Serie auf meinem Blog:


Mein Asien-Reisetagebuch: Laos – Besuch in der Hauptstadt Vientiane, von glänzenden Tempeln bis hin zu Bombenangriffen

Vientiane, die Hauptstadt von Laos hat mich irgendwie völlig gleichgültig zurückgelassen. So ein Gefühl hatte ich bei keiner anderen Stadt auf meiner Rundreise. Entweder ich war entzückt von den besuchten Städten wie etwa von Luang Prabang, oder war nicht so begeistert wie bei meinem Aufenthalt in dem Vorörtchen von Vang Vieng. Aber Vientiane? Ja Vientiane ließ mich einfach gleichgültig zurück…


Vientiane, die laotische Hauptstadt

Vientiane ist erst seit 1975 die Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Laos und heute das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des Landes. Die Stadt erstreckt sich inmitten einer üppigen Landschaft über mehrere Kilometer am Ufer des Mekong, der auch eine natürliche Landesgrenze zu Thailand bildet. Seit April 1994 sind beide Länder durch die „Thailändisch-Laotische Freundschaftsbrücke“ verbunden, die hier als erste Brücke über den Unterlauf und die zweite Brücke überhaupt den Mekong überspannt.

Patuxai Laos Siegestor
Patuxai Laos Siegestor
Patuxai Laos Siegestor

Patuxai und Pha That Luang

Nachdem wir in unserem ultraschicken, aber völlig seelenlosen Hotelkomplex am Stadtrand eingecheckt hatten, ging’s mit dem Tuk Tuk in Zentrum. Schon von Weitem stach uns der Patuxai, also das Siegestor der Stadt entgegen. Seit 1968 besitzt Vientiane diesen Triumphbogen, welcher den gefallenen Laoten, die gegen Frankreich für die Unabhängigkeit des Landes gekämpft haben, gewidmet ist. Rund um das Monument ist ein netter Park angelegt und auch ein großer Springbrunnen verschönert das Gesamtbild. Aber trotz diesem eigentlich schönen Anblick wollte bei mir der Funke nicht so recht überspringen. Ein paar Tuk-Tuk-Fahrminuten weiter hielten wir an einem imposanten Platz mit tollen Gebäuden an: Dem That Luang, dem heiligsten Ort in Laos. Der That Luang mit seinem goldenen Stupa gilt als das Nationalsymbol und wichtigstes Heiligtum von Laos. Errichtet wurde der Tempel von König Setthethirat im 16. Jahrhundert. Durch viele Kriege zerstört und wieder aufgebaut, existiert die aktuelle Version dieser Stupa allerdings erst seit Ende des zweiten Weltkrieges. Ein paar Meter vor dem Nationalsymbol steht daher auch die Statue von König Setthathirat. Ein wirklich imposanter Platz, der mit der Mittagssonne nur so um die Wette strahlte. Und trotzdem ließ mich auch diese Sehenswürdigkeit Vientianes eher gleichgültig zurück.

That Luang
That Luang
That Luang

COPE Besucherzentrum

Viel interessanter und ergreifender war jedoch unser nächster Stop, denn wir besuchten die Ausstellung des COPE Zentrums. Was die wenigsten nämlich wissen: Laos ist das am meist zerbombteste Land der Welt. Im Zuge des Vietnamkriegs wurde Laos stark von den USA bombardiert, obwohl es im Krieg eine neutrale Position inne hielt und keine Partei ergriff. Jedoch hatte Laos als Grenzland zu Vietnam das Problem mehr Bomben abbekommen zu haben, als sonst je ein Land. Noch heute ist dies ein großes Problem, da die Landbevölkerung bei ihrer Feldarbeit immer wieder auf Blindgänger trifft und dies mit fatalen Folgen endet. Im Cope Visitors Center erfährt man einerseits die tragische Geschichte um den „geheimen Krieg“ und sieht die verschiedenen Bombenarten, aber es wird auch erklärt, wie Menschen die Blindgängern zum Opfer gefallen sind geholfen wird. So wird unter anderem mit der Anfertigung von notwendigen Prothesen und medizinischer Unterstützung Hilfe geleistet.

 COPE Zentrum
 COPE Zentrum

Nachtmarkt am Mekong

Nach dem ziemlich ergreifenden Besuch im COPE Center war mir zwar ehrlich gesagt nicht unbedingt nach Essen zu Mute. Da wir aber nur gefrühstückt hatten, hielten wir an einem netten Restaurant in der Innenstadt ehe die Abenddämmerung einbrach. Gestärkt statteten wir dann auch noch dem Nachtmarkt von Vientiane einen Besuch ab. Ich hatte zuvor ja schon die Märkte in Chiang Mai und Luang Prabang besucht und muss gestehen, dass mir dieser hier am wenigsten gefiel. Täglich findet beim Anouvong Park von 18.00 bis 22.00 Uhr der Markt statt. Wie bei allen asiatischen Nachtmärkten gibt es hier zahlreiche Stände, die Kleidung, Souvenirs, Sonnenbrillen, Uhren, Taschen und mehr verkaufen. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass es mehr „Ramsch“ als sonst war und ich habe auch nichts gefunden, was mich auch nur annähernd überzeugt hätte. So schlenderten wir ein paar Meter weiter, wo sich eine Promenade aus vielen netten Bars und Restaurants befindet. Nach einem alkoholfreien Cocktail ging’s dann aber auch schon zurück ins Hotel und ab ins Bett. Immerhin mussten wir am nächsten Morgen früh aufstehen, da der Flug nach Hanoi anstand.
 

Bispingen: Spaß für die ganze Familie im Snow Dome, Kart and Bowl und im Verrückten Haus

Mitten im Naturpark Lüneburger Heide liegt die Urlaubsgemeinde Bispingen. Neben einer kleinen Innenstadt mit St. Antonius-Kirche, dem Treppenspeicher und der Olen Kerk (Alte Kirche) hat Bispingen aber auch ein Unterhaltungsangebot für die ganze Familie, welches weit über die Region hinaus bekannt ist. Als wir auf der Rückfahrt nach Hamburg von unserem Kurzurlaub im Kartoffelhotel kamen, war klar: Ich möchte unbedingt einen Abstecher in das am Kopf stehende Haus machen. Direkt an der Autobahn gelegen, sieht man schon die Skihalle Snow Dome, die Kartbahn von Ralf Schumacher und eben das Verrückte Haus.


Das Verrückte Haus

Seit 2011 befindet sich das Verrückte Haus, welches weltweit das erste Haus ist, welches richtig herum errichtet und dann mit Hilfe von Kränen kopfüber gedreht wurde in Bispingen. Auf zwei Etagen kann man hier durch ein komplett eingerichtetes Haus "kopfüber" gehen und witzige Erinnerungsfotos schießen. Tische, Küchenutensilien, Lampen, Schränke, Spielsachen, ja sogar das WC, alles hängt hier an der Decke, die ja eigentlich der Fußboden ist. Der zusätzliche Kick: Das Haus ist um über 7 Grad längs- und quergeneigt – eine ganz besondere Herausforderung für den Gleichgewichtssinn. Einen extra Ausflug nur um das Haus zu besichtigen würde ich ehrlich gesagt aber nicht nach Bispingen machen, da man doch recht schnell durch die 110 Quadratmeter ist und es sich daher zwar um ein witziges, aber eher kurzes Vergnügen handelt. Meinen komplettenBericht über das Haus mit vielen lustigen Fotos gibt's übrigenshier. Weitere am Kopf stehende Häuser gibt es u.a. in Tierpark Gettorf bei Kiel, in Leipzig auf dem Gelände des Einkaufszentrums NOVA EVENTIS, in Putbus auf der Insel Rügen, in Trassenheide auf Usedom oder aber in der kleinen Stadt Terfens in Tirol.


Snow Dome

Ebenfalls auf dem selben Gelände befindet sich die ganzjährig geöffnete Erlebniswelt "Snow Dome" – eine von sechs Skihalle in Deutschland. Seit 2006 können dort Ski- /Snowboard-Anfänger und Fortgeschrittene eine rund 300 Meter lange und 100 Meter breite Bahn hinuntercarven. Neben einem Sessel- und einem Schlepplift verfügt die Halle auch noch über ein Förderband, welches Anfänger auf eine flachere Piste befördert. Für das Stillen des Hungers nach dem Skifahren sorgt das angeschlossene Restaurant Hofbräu, welches gut gekühltes Hofbräu Bier und bayerische Spezialitäten serviert.


Schumachers Kart and Bowl

Nur ein paar Meter vom Snow Dome entfernt befindet sich Ralf Schuhmachers Kartcenter. Auf einer 600 Meter langen Indoor- und einer 1000 Meter langen Outdoorstrecke können sich Geschwindigkeits-Fans richtig austoben. Auch kleine Motorsportfreunde kommen hier nicht zu kurz, denn ab 5 Jahren darf eine 200 Meter lange Kinderkartbahn mit Elektroautos benutzt werden. Wer sich anderweitig sportlich betätigen will, kann die stylische Bowlingbahn mit Clubatmosphäre und guter Musik nutzen.


Alles in allem kann man mit der Familie in Bispingen einen witzigen und actionreichen Tag verbringen. Die vielen Attraktionen sind besonders bei schlechtem Wetter eine Reise wert.